Willkommen in Bayern - Umweltbildung mit Flüchtlingen

heißt das neue Projekt der ANU Bayern, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt 2015/16 fördert. Wir setzen damit in einem ersten Schritt den Beschluss der Mitgliederversammlung der ANU Bayern vom Juni 2015 um, die Arbeit mit Menschen auf der Flucht zu einem der Schwerpunktthemen zu machen.
ANU-Mitglieder führen derzeit schon Angebote, Aktionen und Projekte mit unterschiedlichen Flüchtlingsgruppen und verschiedenen Ansätzen und Zugängen durch, die wir öffentlich sichtbar machen wollen. Wir ermutigen unsere Mitglieder sich in der Umweltbildung/BNE mit Flüchtlingen zu engagieren und stellen auf einer neuen Website ab Januar bis zu 30 Angebote, Aktionen und Projekte vor, die in Bayern durchgeführt werden. Aufgabe der ANU Bayern ist es dabei, die Akteure zu vernetzen und den Fachaustausch über konkrete Umweltbildungsmaßnahmen mit Menschen auf der Flucht zu ermöglichen. Bedarfsorientierte Fortbildungsangebote sollen vermittelt oder angeboten werden. Wir wollen Kooperationen anregen und weitere Formen der Unterstützung zusammen mit den Akteuren ermitteln. Aufbauend auf den ersten Erfahrungen werden wir weitere und auch längerfristige Projekte mit Menschen auf der Flucht anregen und unterstützen.

Auf unserer neuen Website  www.umweltbildung-mit-fluechtlingen.de finden Interessierte Projektbeschreibungen, Fortbildungsangebote, Vernetzungstreffen, Materialien, Fördermöglichkeiten und einen Blog zum Austausch.

Kooperationspartner

Kooperationspartner ist bei diesem Projekt die Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit in Bayern, die uns mit ihren Erfahrungen z.B. mit Fortbildungsangeboten, Beratung und kulturspezifischen Hintergrundinfos unterstützen kann.

Fortbildungen zum Thema

Aktuell bietet die Evangelische Jugendsozialarbeit Bayern (ejsa) folgende Seminare zum Themenschwerpunkt Arbeit mit Geflüchteten in München an:

  • 25.01.2016 „Junge Flüchtlinge mit ihren Eltern. Bedarfe und Unterstützung“
  • 24.02.2016 „UMF/UF Herkunftsländer: Naher Osten Syrien, Irak
  • 21.04.2016 „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge//Unbegleitete Flüchtlinge und Traumatisierung“
  • 27.04.2016 „Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge//Unbegleitete Flüchtlinge und Traumatisierung“

ANU-Mitglieder können jeweils zum Kooperationspreis von maximal 90 Euro inkl. Verpflegung teilnehmen. Weitere Informationen finden Sie  hier.

Neue Projektkoordinatorin

Tina Teucher ist die neue Koordinatorin des Projekts „Willkommen in Bayern“. Als freie Mitarbeiterin unterstützt sie die ANU Bayern e.V., bestehende Projekte zu recherchieren und zu vernetzen, eine Website aufzubauen und die Öffentlichkeitsarbeit zu begleiten. Damit Sie bestmöglich davon profitieren können, ist sie auf Ihre Anregungen angewiesen:

  • Welche Beispiele zur Bildung für nachhaltige Entwicklung mit Geflüchteten kennen Sie?
  • Führen Sie selbst Projekte durch?
  • Welche Unterstützung würden Sie sich wünschen?

Tina Teucher freut sich auf Infos und Rückmeldungen unter  tina.teucher(at)anu.de. 

Bausteine des Projekts

Wir wollen mit dem Projekt die Potenziale der Umweltbildung /BNE bei der Integration von Menschen auf der Flucht und Asylsuchenden sichtbar machen. Wir wollen damit öffentlich darstellen, dass gesellschaftliche Integration ein Aufgabenbereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung ist und diese durch ihren Kompetenzansatz dafür viel Potenzial hat.
Die Bausteine im Einzelnen:

  • Beratung und Unterstützung von Angeboten, Aktionen und Projekten mit geflüchteten Menschen in Bayern und Motivierung weiterer Akteure, ihre Umweltbildungsarbeit für diese Menschen zu öffnen
  • Durchführung von bis zu 30 Aktionen in Bayern durch die Mitglieder der ANU Bayern
  • Vernetzung und Qualifizierung in Zusammenarbeit mit den Akteuren und Kooperationspartnern
  • Neue Kooperationen mit Partnern auf Bayernebene und vor Ort
  • Öffentlichkeitsarbeit für die Aktionen

Da das Projekt partizipativ angelegt ist und von den Aktivitäten und Bedarfen der Mitglieder abhängt, können sich einige Inhalte ändern und neue können dazukommen.

Durchführung von bis zu 30 Aktionen in Bayern durch die Mitglieder der ANU Bayern

Viele Akteure der Umweltbildung engagieren sich schon in der konkreten Arbeit mit Flüchtenden. Wir sind uns bewusst, dass wir mit dem Projekt auch neue Wege beschreiten und neue Methoden erproben. Um den Einstieg zu erleichtern, geben wir Anregungen für Rahmenthemen der Umweltbildung / BNE, die in der Arbeit mit den jeweils verschiedenen und spezifischen Zielgruppen umgesetzt und erweitert werden können. Bei allen Aktivitäten ist uns ein partizipativer Ansatz wichtig, um den Bedürfnissen gerecht agieren zu können. Es werden je nach lokalen Schwerpunkten und Kompetenzen sehr unterschiedliche Angebote und Projekte entstehen, die den jeweiligen personellen und finanziellen Gegebenheiten angepasst sein werden. Deshalb ist eine Vernetzung und gegenseitige Befruchtung überaus wichtig. Dies wird die ANU Bayern mit diesem Projekt leisten.

Inhaltliche Projektbausteine

Mögliche inhaltliche Bausteine der Bildungsarbeit durch die ANU-Mitglieder sind:
Freundschaftsprojekt: Meine neue Heimat – interkulturelles Kennenlernen der neuen Umgebung durch Verknüpfung von sprachlichem Lernen und Umweltwissen
Beispiele sind:

  • Nachmittagsbetreuung von Flüchtlingskindern im Umweltzentrum, um Wald, Wiesen, Wasser aber auch die Ortschaften mit ihrer Infrastruktur, z.B. Mülltrennung und-entsorgung oder Energiesparen, und ihren sozialen Möglichkeiten, z.B. Büchereien, Spiel- und Sportplätzen, kennenzulernen
  • Waldspaziergänge mit Flüchtlingsfamilien zum Kennenlernen heimischer Vegetation
  • Ortsrallye mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, um die neue Heimat mit ihrer Natur und Kultur kennenzulernen und das soziale Miteinander zu fördern
  • Schulpatenschaften zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen um Lernschwierigkeiten entgegenzuwirken
  • Gemeinsame Kleinaktionen in der Landschaftspflege, um unseren Ansatz des Natur- und Umweltschutzes kennen zu lernen

Gärtnern und Genießen, Kennenlernen unterschiedlicher Kulturen, Spracherwerb und Integration.
Beispiele sind:

  • Einladungen zum Ernten, Gärtnern, Pflanzen in die Umweltbildungseinrichtung
  • Einkaufen, Kochen, Essen - ein Projekt für Kinder und ihre Familien zum Thema Nachhaltigkeit, Kulturen und Werte. Über das gemeinsame Kochen kann Sprecherwerb erfolgen, ganz alltägliche Verrichtungen wie gemeinsames Einkaufen geben Orientierung bei Lebensmitteln und zeigen günstige und nachhaltige Bezüge von ökologischen Produkten.
  • Einbeziehen der Flüchtlinge in die Arbeit von interkulturellen Gärten
  • Angebote zum Thema Ernährung in Kooperation mit Schulen bei der Arbeit mit Übergangsklassen

Kreative FreiZeit in Natur und Kultur – Vermittlung von Umweltschutz- und Kulturtechniken, auch berufsvorbereitend
Beispiele sind:

  • Kreative Angebote mit Spiel, Bewegung, Musik, Tanz, Theater, Kunst etc. mit dem Ziel des gegenseitigen Kennenlernens und Kulturaustauschs
  • Erfahren von Freizeit und neuen Kulturen, z.B. Angebote in Kooperation mit Künstlern (Landart, Fotoarbeiten, Bilder malen), Musikern (Basteln von Instrumenten), Handwerkern (Schmiedekurs) etc. Daraus können auf längere Sicht kleine Kunstprojekte wie Tanz- und Musikaufführungen oder Fotoausstellungen entstehen, die unser gemeinsames Ziel, eine nachhaltigere Gesellschaft, zeigen. Gleichzeitig kann das für Jugendliche der Berufsvorbereitung dienen.
  • In Zusammenarbeit mit Schulen werden Fahrradreparaturkurse angeboten. Angebote in diesem Bereich, z.B. für Jugendliche, dienen auch der Berufsvorbereitung.

Gute Beispiele für Projekte

Akteure der Umweltbildung/BNE arbeiten mit Flüchtlingen und Migrant_innen

Viele Flüchtlinge sind nach Bayern gekommen und ein Großteil der Menschen wird länger bei uns bleiben, eine neue Heimat und Arbeit suchen. Familien mit Kindern und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind besonders auf Unterstützung und Bildung angewiesen. Viele Kolleg_innen haben in den vergangenen Monaten schon erste Erfahrungen in der Zusammenarbeit gesammelt. Die ANU Bayern ermutigt ihre Mitglieder, Kontakte zu Flüchtlingen und Asylsuchenden zu knüpfen, für sie Bildungsangebote zu machen oder sie in ihre Aktionen zu integrieren. Wie das gehen kann, zeigt ein Beispiel des LBV Aschaffenburg.

Gaforre heißt der Krebs auf Albanisch - Junge Flüchtlinge zu Besuch bei der Naturschutzjugend


Gemeinsam Keschern auf der Suche nach Wasserspion und Co (Fotos: Claus Fries)

Einmal im Monat trifft sich die NAJU-Kindergruppe „Fledermäuse“ mit ihrer Gruppenleiterin Sabine Michael im LBV-Naturerlebnisgarten Kleinostheim, um im Garten die Natur zu entdecken. So war es auch an einem Samstag im Juli, doch für ihr letztes Treffen vor der Sommerpause hatte die Kindergruppe Gäste eingeladen. „Wie spreche ich denn mit den anderen Kindern?“, war die Frage, die die Kinder der NAJU-Kindergruppe „Fledermäuse“ im Vorfeld beschäftigte. Denn bei den Gästen handelte es sich um junge Flüchtlinge aus der Gemeinschaftsunterkunft (GU) Aschaffenburg. Doch schnell war klar: Sprachbarrieren gab es keine. Die meisten Kinder und Jugendlichen sprachen perfekt Deutsch. Selbst mit Hermes und Henri, die erst seit einem Monat in Deutschland sind, klappte die Verständigung. Und so mischten sich die Kinder beim ersten Naturerfahrungsspiel schnell untereinander und Yasmin (NAJU) und Yasmin (GU) bastelten Seite an Seite ihr Naturnamensschild. Weiter ging es an den See, wo die Kescher ausgepackt wurden, und alle gemeinsam auf die Suche nach Wassertieren gingen. „Das machen wir im Sommer am liebsten“, erklärte Simon die Lieblingsaktion der „Fledermäuse“. Und auch die Gäste waren schnell begeistert und freuten sich über Schnecken, Ruderwanzen, Frösche und andere Tiere im Kescher. Ein ausgewachsener Krebs war die Attraktion. Auf Albanisch heißt Krebs „Gaforre“, klärte Henri auf. Wer wollte, konnte den See nicht nur vom Ufer aus, sondern auch mit dem Ruderboot entdecken. Und es wollten alle! Katharina Simon von Faia (Freizeitangebote für junge Asylanten) und Meike Kempermann (NAJU), die das Treffen im Hintergrund organisiert hatten, freuten sich, dass die gemeinsame Aktion so gut angenommen wurde.
Der Anstoß für die Einladung junger Flüchtlinge in den LBV-Naturerlebnisgarten kam aus der Naturschutzjugend selbst. Nachdem der „Nestflüchter“, das Jahrbuch der Naturschutzjugend, sich mit dem Thema „Flüchtlinge“ beschäftigt hatte, war das Interesse groß, sich über das Papier hinaus zu engagieren. So passte es gut, dass im Februar die Stadt Aschaffenburg, Stadtjugendring und Caritas die Jugendverbände zu einem Workshop ins Jukuz einluden. Informiert wurde über die Situation der jungen Flüchtlinge in Aschaffenburg und wie sich die Jugendarbeit einbringen kann. Besonders wichtig war es den Veranstaltern, dass die Kinder in bestehende Aktionen integriert werden. Bei dieser Veranstaltung saßen Jakob Braun, Claus Fries und Meike Kempermann von der Naturschutzjugend direkt neben Katharina Simon von Faia. So konnte sozusagen auf dem kurzen Dienstweg eine Kooperation vereinbart werden, die in den darauffolgenden Wochen in Form einer Kinderbegegnung konkrete Gestalt annahm.
Am Samstag endete diese Kinderbegegnung nach dem Keschern und ausgiebigen Bootstouren mit einem Picknick und dem Wunsch eine weitere gemeinsame Veranstaltung zu machen. „Kommen die bald mal wieder, das war schön!“, war nicht nur Melinas Fazit von dem Tag.

Infos:  http://aschaffenburg.lbv.de/ueber-uns/kinder-und-jugend-im-lbv.html, naju-bayern.de/themen/jahresthema

Beitrag von Meike Kempermann, LBV Aschaffenburg

Engagierte Gartenhelfer in der Umweltstation Waldsassen bringen neuen Schwung in die Arbeit


Schüler_innen arbeiten gemeinsam mit jungen Asylsuchenden in der Umweltstation Waldsassen (Fotos: US Waldsassen)

Die Umweltstation Waldsassen hat neue engagierte und motivierte Mitarbeiter in ihrem Naturerlebnisgarten. Seit Februar kommen zwei bis sechs junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren, erst Syrer und derzeit Iraker, die Beschäftigung suchen, bevor es für sie weiter geht. Vielfältige Gartenarbeit aller Art, z.B. Wege frei halten und ausbessern, Kompost umsetzen, Beete mulchen, pflanzen und ernten, Imkereiutensilien ausbessern steht für sie auf der Tagesordnung. Maximal 20 Stunden pro Woche arbeiten sie im Garten. Michael Selinger, Leiter der Umweltstation, schwärmt von der Energie, mit der sie bei der Arbeit sind. Etwas Sinnvolles zu machen, das Ergebnis der eigenen Arbeit zu sehen, Kontakt zu den Mitarbeiter_innen der Station zu haben, an Programmen teilhaben zu dürfen, all das beflügelt sie. Und diese Energie steckt auch die deutschen Kolleg_innen an: Die Flüchtlinge arbeiten zeitweise mit Langzeitarbeitslosen in der Wiedereingliederung zusammen, die zuerst recht skeptisch waren. Aber die Freude und der Schwung der jungen Leute, ihre Unbefangenheit und ihr kräftiges Zupacken haben sie überzeugt. Die Mittagspausen werden gemeinsam verbracht, was das gegenseitige Kennenlernen fördert. Nun besuchen die Waldsassener ihre jungen Gartenkollegen, die sie zum irakischen Essen einladen.
Sehr zum Gelingen beigetragen hat die umsichtige und kompetente Betreuung der Asylsuchenden durch einen ehrenamtlichen Senior der Umweltstation, der ihnen Aufgaben in eigener Verantwortung bei der Gartenpflege zugewiesen und ihnen die dazu notwendigen Hilfestellungen gegeben hat. Über die konkrete Gartenarbeit und die gemeinsamen Aktivitäten werden die dazu notwendigen Deutschkenntnisse vermittelt.
Sehr erstaunt waren die Deutschen, dass die jungen Männer so gut kochen können. Mit dem Kochen von syrischen oder irakischen Gerichten vermitteln sie etwas von ihrer Kultur, was ihnen große Freude macht und Anerkennung bringt. Mit großer Sorgfalt und vielen frischen Gemüsen und Kräutern aus dem Garten haben einige Syrer das Mittagessen im Rahmen eines deutsch-tschechischen Kooperationsprojekts zubereitet und viel Lob von den Gärtnerlehrlingen aus beiden Ländern geerntet.
Zur gegenseitigen Verständigung und Anerkennung im Ort trägt auch bei, dass die Asylsuchenden bei Schulklassenprojekten mithelfen, z.B. bei Gartenprojekten oder den Holzofen bei Backaktionen anfeuern. Die gute Stimmung und die sichtbaren Erfolge bei der Gartenpflege vom Frühjahr bis in den Winter überzeugen auch Politiker und Lehrkräfte, die auf der Umweltstation vorbeischauen.
Michael Selingers Erfahrungen mit Flüchtlingen sind sehr positiv, deshalb wird er im kommenden Jahr mit dem Modellprojekt: „Gärten im Wandel – Waldsassen IS(S)T nachhaltig und interkulturell“ die Arbeit mit Flüchtlingen weiterführen.
Infos:  www.kubz.de/cms/umweltstation.html,  umweltstation-waldsassen(at)web.de

Was Gelbbauchunken mit Kriegsopfern zu tun haben

Ein besonderes Projekt der Grundschule Treuchtlingen, einer schon 14 mal ausgezeichneten Umweltschule in Europa, ist die Sicherung des Lebensraumes der selten gewordenen Gelbbauchunken, die in einem künstlich angelegten Rinnsal in der Kriegsgräberstätte am Nagelberg einen ebenso außergewöhnlichen wie auch gefährdeten Lebensraum gefunden haben. Marlit Nowack von der Umweltstation Treuchtlingen begleitete mit vielfältigen Aktionen das Projekt mit der Grundschule zum Schutz der Gelbbauchunken, in das auch ein Teil der 27 Kinder mit Flucht- und Migrationshintergrund einbezogen waren, die nicht oder kaum Deutsch sprechen. Die Grundschulkinder überlegten sich, in welcher Form sie in der Kriegsgräberstätte Informationen zu den Gelbbauchunken anbringen könnten, um sie dort zu schützen und die Besucher der Gedenkstätte über dieses Biotop aufzuklären. Sie verständigten sich auf selbstgestaltete „Denksteine“ in Anlehnung an die Gedenksteine der Toten und nahmen Kontakt mit dem VdK auf, der für den Erhalt der Kriegsgräberstätte zuständig ist. Durch das Projekt wurde das Interesse der Kinder an den umliegenden Gedenksteinen und an den damit verbundenen Schicksalen der vielen Menschen geweckt, die im 2. Weltkrieg bei einem Bombenangriff auf den Treuchtlinger Bahnhof getötet und anschließend in der Kriegsgräberstätte bestattet wurden. Sie fragten, warum hier Menschen bestattet sind, deren Identität nicht geklärt ist. Dies war der Moment, an dem auch u.a. die tschetschenischen Mitschüler_innen das Kriegsgeschehen in ihrem Heimatland und ihre eigenen Erlebnisse einbringen konnten. Mit viel Fingerspitzengefühl unterstützte die Schule die Auseinandersetzung der Kinder mit dem Kriegsgeschehen damals und heute. Die Kinder wollten mehr über Einzelschicksale wissen und führten Interviews mit Zeitzeugen von damals und heute durch. So entstand eine Brücke des Vertrauens und des gegenseitigen Verständnisses von alteingesessenen Treuchtlinger Bürger_innen und den zugewanderten Flüchtlingsfamilien. In enger Absprache mit den Schüler_innen und in Kooperation mit einer Grafikerin ergänzte der VdK die Kriegsgräberstätte mit Informationen zu den Schicksalen der Menschen im Bombenhagel. So wurde die Kriegsgräberstätte auch in unserer Generation wieder zu einem Ort des ernsthaften Gedenkens und des Zulassens von Trauer und Mitleid für alle Opfer von Terror und Gewalt, aber auch zu einem Ort des Lebens, des Schutzes und der Hoffnung auf ein friedliches Miteinander von Menschen und Natur. Das Projekt soll 2016 fortgesetzt werden.
(Text: Caroline Fischer)

„Raus in die Natur!“ – Ein Angebot der Umweltstation Augsburg für Geflüchtete in Augsburg

„Blinde Raupe“: Auf die anderen zu vertrauen, sich von ihnen führen zu lassen und gleichzeitig auf den Untergrund, auf Geräusche und die Sonne zu achten, das hat uns viel abverlangt. (Foto: L. Sibeth)

Seit Anfang 2014 nimmt die Umweltstation Augsburg mit ihrem Projekt „Mensch & Wasser – Die Welt in Augsburg“ das Element Wasser aus vielen verschiedenen Blickrichtungen und für unterschiedliche Zielgruppen unter die Lupe. Herzstück des Projekts im Jahr 2015 ist vor allem die Arbeit an der Gemeinschaftsunterkunft für Asylsuchende Schülestraße. Seit Beginn des Jahres finden dort wöchentliche Treffen statt, die sich an alle Interessierten richten. Durchschnittlich 15 Kinder im Alter von 4-14 Jahren kommen zusammen, teilweise begleitet von ihren Eltern. Sie nähern sich dem Element Wasser und der sie umgebenden Nachbarschaft forschend, spielerisch, künstlerisch oder auch durch eine fotografische Perspektive. War anfangs die Idee, Umweltbildung in den Mittelpunkt zu stellen, so zeigte sich schnell, dass das erste Jahr v.a. ein Beziehungsaufbau war. Ein Angebot wirklich regelmäßig anzubieten, d.h. auch in den Ferien vor Ort zu sein und auf die Wünsche und Ideen der Kinder einzugehen – das war unseren Teilnehmenden viel wichtiger als die konkreten Inhalte. Bildung für nachhaltige Entwicklung war vor allem in ihren sozialen und kulturellen Bezügen und ihrem partizipativen Ansatz das gemeinsame Fundament. Soziales Lernen, auch mit Hilfe erlebnispädagogischer Methoden, war im ersten Jahr der rote Faden, der sich durch alle Veranstaltungen zog. Und das wird er auch im kommenden Jahr bleiben, dann aber verstärkt mit einer inhaltlichen Ausrichtung auf Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Müll und Recycling wurde unter anderem von den Kindern als ein Wunsch genannt, neben Upcycling und der Weiterführung unseres Gärtnerangebots. Diesen vielen Wünschen gehen wir gerne gemeinsam mit unseren Teilnehmenden im nächsten Jahr nach!
(Text: Leonore Sibeth, Umweltstation Augsburg).
Infos:  l.sibeth(at)us-augsburg.de,  http://www.us-augsburg.de/umweltbildung/themen/mensch-und-wasser