Schulen für eine lebendige Hase - Akteursnetzwerke & Flussallianzen

Bericht von Dr. Gerhard Becker

Workshop "Schulen für eine lebendige Hase"
(Foto: Caroline Fischer)

 

1. Einführung

Flüsse stellen für eine nachhaltige Entwicklung ein wichtiges Thema dar: Dies ergibt sich aktuell aus der EG-Wasserrechtsrahmenrichtlinie (WRRL), die eine Nachhaltigkeitsrichtlinie ist. Für deren Umsetzung ist ein integriertes Flussgebietsmanagement erforderlich, das auch die Partizipation der Bürger/Öffentlichkeit (s. § 14 der WRRL) vorsieht. Allgemeiner ergibt sich die gesellschaftliche Bedeutung des Themas schon aus der Agenda 21 von 1992 in Rio de Janeiro. In jedem Fall ist formelle und informelle Bildung Voraussetzung für einen solchen langfristigen Prozess.

Auch wenn Flüsse letztlich nur als Ganzheit sinnvoll betrachtet werden können, ergeben sich für die Gewässerabschnitte in Städten oder allgemeiner in menschlichen Siedlungsräumen spezielle Fragen, die wegen der hohen Komplexität der Städte, der Vielzahl von Interessen, aber auch wegen der dichten baulichen Struktur schwieriger zu lösen sind als in den ländlichen Regionen. Dies gilt insbesondere für Maßnahmen der Revitalisierung von Flüssen, die die WRRL vorsieht. Aus einer einseitig ökologischen Sichtweise werden sie im Stadtbereich häufig als „nicht lohnend“ und „ökonomisch zu aufwendig“ angesehen. Bei einer solchen Argumentation wird allerdings die große Zahl der betroffenen Bürger nicht berücksichtigt. Vor allem im städtischen Raum ist deshalb ist eine Zusammenarbeit bzw. Vernetzung aller Akteure erforderlich um Veränderungen im Sinne einer nachhaltigen Flussgestaltung zu erreichen.

Zweifellos ist das Thema urbane Fließgewässer auch ein Schlüsselthema für Umweltbildung bzw. für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in allen Bildungsbereichen (vgl. auch Papier der AG Wasser der UN-Dekade), das durch die Vielfalt der inhaltlichen und methodischen Möglichkeiten ein riesiges und attraktives pädagogisches Potenzial besitzt. In der pädagogischen Praxis wird dies allerdings noch kaum genutzt. Die meisten pädagogischen Ansätze beziehen sich – ähnlich wie die nachhaltigkeitspolitische Praxis – eher auf außerstädtische Flussabschnitte (s. Becker 2006, 2008). Sie sind entweder nur naturwissenschaftlich ausgerichtet oder erlebnisorientiert (s. auch Rettig 2008). Um die volle Komplexität der Fragestellung praxis- bzw. handlungsorientiert in der eigenen Stadt pädagogisch zu bearbeiten, ist auch hier eine Zusammenarbeit mit allen Akteuren notwendig. Praktische Erfahrungen zeigen, dass dies eine sehr schwierige, aber lohnenswerte Aufgabe ist, die viele Probleme und Hindernisse beinhaltet.

Die Frage der Vernetzung, aber auch die Erfolgsbedingungen und Probleme stehen im Zentrum dieses Beitrags, die im wesentlich an zwei Beispielen vorgestellt werden. Das erste Beispiel ist ein lokales Beispiel aus Osnabrück: das Netzwerk Schulen für eine lebendige Hase, das mit einem Flussentwicklungsprojekt verknüpft ist. Das zweite Beispiel ist ein bundesweites Vernetzungsprojekt, das aus dem Osnabrücker Projekt entstanden ist.

Die Darstellung kann hier relativ kurz erfolgen, da zu beiden Projekten bereits textliche Veröffentlichungen vorliegen und auch umfangreiche Webseiten (s. 6.1.). Außerdem hatten die Projekte für die beiden Workshops auf der Tagung primär die Funktion eines Impulses für eine allgemeine und erfahrungsbezogene Diskussion unter den Teilnehmern (s. 5.). Auch für Leser soll der Text anregende und aktivierende Funktion haben (s. Aufruf am Ende von 4.).

2. Netzwerk Schulen für eine lebendige Hase

Vorab sei angemerkt, dass es die umweltpädagogische Idee, sich in Osnabrück mit dem Stadtfluss Hase zu beschäftigen, schon seit etwa 1990 gab. Von Seiten einiger Projekte des Vereins für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e.V. gab es seit dieser Zeit nicht nur Recherchen und Publikationen umwelthistorischer und auch didaktischer Art (s. Vergin 1997, Bartelheim/Kuczia 1999), sondern auch Versuche, eine kontinuierliche pädagogische Praxis zu etablieren. Letztlich ist es jedoch nicht gelungen über Einzelaktivitäten in und mit Schulen hinauszukommen, geschweige denn, die von mir schon bald formulierte Perspektive einer umweltpädagogischen Vernetzung (s. Becker 1999, 2005, 2006,….) zu realisieren.

Auch im Rahmen des 1997 gegründeten Umweltbildungszentrums in der Stadt Osnabrück gelang dies nicht, obwohl diese wichtige umweltpädagogische Einrichtung über einen Kooperationsvertrag mit allen wichtigen Akteuren der Umweltbildung verbunden war und insofern eine erste institutionalisierte Art eines Akteursnetzwerks/-zusammenschlusses der Osnabrücker Umweltbildung darstellte. Letztlich war die Umweltbildung in Osnabrück trotz erheblichen Engagements von Einzelnen zu schwach bzw. erfuhr nicht die notwendige Unterstützung, um in diesem Themenbereich „Fließgewässer“ erfolgreich sein zu können. Für die hier besonders interessierende Frage der Erfolgsbedingungen gewässerpädagogischer Arbeit ist es wichtig zu wissen, wie der ‚Durchbruch’ gelang:

Seit etwa 1996 hatte die Stadt Osnabrück Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Hase durchgeführt, 2001 kam es zu einem generellen Beschluss des Rates, die Hase ökologisch zu verbessern (Revitalisierung). Es sollte die Hase jedoch auch als Freizeitraum fortentwickelt und als stadtgeschichtlicher und städtebaulicher Raum erlebbar gemacht werden. Eine neu belebte Hase sollte zum unverwechselbaren Markenzeichen der "Hase-Stadt" werden. Es wurde dafür später die Bezeichnung „Lebendige Hase“ verwendet. Aus der Sicht von NROs ist bemerkenswert, dass dieses Projekt allein in der Umweltverwaltung entstand und von der damaligen politischen Mehrheit im Rat unterstützt wurde.

Aus der Erkenntnis der Schwierigkeit der Aufgabe angesichts einer Vielzahl zu berücksichtigender Aspekte und vor allem Interessen wurde in der Umweltverwaltung ein umfassendes Kommunikations- und Partizipationskonzept entwickelt, dessen Realisierung als Modellprojekt auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert wurde (2004-2006).

Es war von vornherein klar, dass mit diesem Modellprojekt auch eine historische Chance für die ältere Idee eines schulbezogenen Hase-Netzwerkes entstand, die deshalb von Seiten des 2003 gegründeten Arbeitskreises Umweltbildung der Lokalen Agenda 21 (AK) und des Vereins für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e.V. in Kooperation mit der Stadt Osnabrück ergriffen wurde. Diesen umwelt- bzw. nachhaltigkeitspädagogischen Akteuren gelang es, sich inhaltlich in das Projektprogramm einzubringen.

Das zentrale Ziel war natürlich, einen pädagogischen Beitrag zu einem nachhaltigen Umgang mit der Hase und ihrer nachhaltigen Gestaltung zu leisten. Gleichzeitig bestand damit die Chance, eine handlungsorientierte BNE an diesem Thema zu entwickeln und zu erproben und die allgemeinen Kompetenzziele von BNE zu erreichen (z.B. Gestaltungskompetenz). An dieser Stelle muss jedoch vor allzu kurzschlüssigen, instrumentellen und kurzfristigen Vorstellungen bzw. Erwartungen von solcher pädagogischer Arbeit gewarnt werden. Erstens wären sie sehr unrealistisch - selbst bei optimalen Rahmenbedingungen. Inwiefern diese gegeben oder nicht gegeben sind, wird noch diskutiert. Ansonsten wären Vorstellungen über allzu direkt anzustrebende (kommunal)politische Ziele als Versuche einer Instrumentalisierung und Steuerung des Verhaltens und Denkens von Lernenden aus pädagogischer Sicht abzulehnen.

Aufgrund langjähriger Erfahrungen in der Kooperation mit Schulen war ebenfalls von vornherein klar, dass eine pädagogische und politisch wirksame schulische Beschäftigung mit der Hase nur langfristig im Rahmen eines kontinuierlich arbeitenden lokales Netzwerk möglich sein würde. Da Schulen bzw. einzelne, sogar engagierte Lehrer dazu nicht in der Lage sein würden, bestand die einzige Chance darin, dass außerschulische Partner eine zentrale Rolle spielen mussten - als Impulsgeber, Unterstützer, Dienstleister, Vernetzer,… Für Schulen sollte mit dem Angebot eines solchen lokalen Netzwerkes die folgende Möglichkeit eröffnet werden: Im Rahmen der schulpolitisch geforderten ‚eigenverantwortlichen‘ Entwicklung kann ein umweltpädagogisches Profil entwickelt oder ausgebaut werden, das unter anderem einen inhaltlichen Fokus auf die Hase und seine städtische Nebenbäche legt.

Es sei an dieser Stelle betont, dass der AK Umweltbildung als Agenda-Arbeitskreis selbst ein Akteursnetzwerk darstellt, in dem insbesondere alle umweltpädagogisch relevanten Akteure der Stadt mitarbeiten. Zu den Zielen des AK gehört u.a. (Selbstverständnis und Praxis s. www.umweltbildung-os.de):

  • Initiierung, Verbreitung und kooperative Vernetzung, Unterstützung der Osnabrücker Umweltbildung /BNE durch Service-Angebote
  • Dies erfolgt am Beispiel von Jahresthemen und damit verbundenen Agenda-Wettbewerben: Agenda 21 (2003), Wasser! (2004/05), Unser Essen! (2006/2007) Leben und Wohnen in der Stadt (2008/2009)
  • Konzeptionelle und praktische Weiterentwicklung der Umweltbildung in Richtung einer ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung‘(BNE)
  • Internetportal www.umweltbildung-os.de als zentrales Medium
  • Sammlung und Veröffentlichung guter Umweltbildungsprojekte aus Schulen /Bildungseinrichtungen (‚Gute Praxis‘) auf den thematischen Webseiten
  • Überregionale und internationale Kommunikation und Kooperation

Der AK Umweltbildung ist wegen dieser Zielsetzung und erfolgreichen Praxis seit 2005 zweimal hintereinander als offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet worden.

Ähnliche Ziele verfolgt auch der Verein, der intensiv im AK Umweltbildung mitarbeitet. Für den Erfolg des schulbezogenen Netzwerkes ist es sicherlich eine günstige Voraussetzung, dass etliche Mitglieder des AK und des Vereins lange Erfahrungen des Umgang mit Schulen hatten und auch in vielen Schulen bekannt sind: durch viele Aktivitäten, aber auch parallele Projekte (z.B. Pädagogische Umweltberatung, Umweltmobil des Umweltbildungszentrums, Technisch-ökologischer Lernort Nackte Mühle,…).

Der AK Umweltbildung hatte im Rahmen seines Jahresthemas und Agenda-Wettbewerbs „Wasser!“ (2004/2005) auch einen Sonderpreis für das Thema Hase ausgelobt, der von dem Fachbereich Grün und Umwelt der Stadt Osnabrück zur Verfügung gestellt wurde.

Eine wichtige Rolle spielen die Webseiten des Vereins und des AK, die in Kooperation mit der Universität entstanden sind: www.umweltbildung-os.de/hase (Hase neu entdecken) wird im wesentlichen vom Verein aufgebaut und gepflegt. Einen erheblichen Anteil hatten auch Studierende aus einigen meiner umwelt-medienpädagogischen Lehrveranstaltungen, die didaktische Ideen entwickelt, Informationen gesammelt und beides dort einstellt hatten.

Für das Stadtentwicklungsprojekt „Lebendige Hase“ gibt es die gleichnamige Website www.lebendige-hase.de, die auch kurze aktuelle Infos aus dem schulischen Hase-Netzwerk enthält. Diese Website wird vom Verein im Auftrag der Stadt gepflegt. Der Verein stellt zudem die Koordinatorin für das Netzwerk, deren Finanzierung von der Osnabrücker Haarmann-Stiftung gesichert wird. Dies ist eine weitere Erfolgsbedingung, denn die Kontinuität eines Netzwerks ist rein ehrenamtlich auf Dauer nur schwer zu gewährleisten. Beeinträchtigt wird die Kontinuität durch personelle Veränderungen, die bei solchen für wenige Stunden in der Woche bezahlten Tätigkeiten öfters vorkommen.

Neben der gewachsenen lokalen umweltpädagogischen Unterstützungsstruktur ist für den Erfolg des Netzwerkes die gute Kooperation mit der Stadtverwaltung unverzichtbar, die durch das langfristige Entwicklungsvorhaben Lebendige Hase sehr erleichtert wurde. Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit Körperschaften und Verbänden, die mit den Gewässern zu tun haben (Gewässerunterhaltungsverband u.a.). Erleichtert wurden dadurch Kontakte zu anderen Organisationen und Personen, die in irgendeiner Weise mit der Hase zu tun haben (Wassersport- und Anglervereine), aber auch zu einer Bürgerstiftung. Durch meine erziehungswissenschaftliche Tätigkeit an der Universität Osnabrück war der ebenfalls wichtige Kontakt dieser Universität und zu Studenten gegeben. Von dort kamen hauptsächlich konzeptionelle Impulse: Aus dem fünfdimensionalen Verständnis von BNE, das ökologische, soziale, ökonomische, partizipatorisch-politische sowie (inter)kulturelle Aspekte postuliert, lassen sich Themen generieren, auf die hier nur kurz eingegangen wird:

  • Tiere, Pflanzen in/an der Hase, Wasserqualität, Naturschutz…
  • Geschichte der Osnabrücker Hase, Bedeutungswandel, Wiederentdeckung in jüngster Zeit, Wahrnehmung…
  • Vielfältige Nutzungsformen der Hase, Interessen an der Hase,
  • insbesondere: Freizeit, Kultur, ökonomische Funktionen,
  • Hase und Stadtbild/Denkmalschutz, Stadt-Hase-Gestaltung,
  • Stauanlagen/Mühlen der Osnabrücker Hase,
  • „Lebendige Hase“ als kontroverses politisches Projekt,
  • die Hase als schulnaher Lernort,
  • Nebenbäche der Hase, die Hase außerhalb der Stadt.

Schon aus diesem erweiterbaren Katalog von Themen wird deutlich, dass es Betätigungsmöglichkeiten für ALLE Fächer gibt und nicht nur für die naturwissenschaftlichen mit den ‚klassischen‘, aber weiterhin unverzichtbaren Wasseruntersuchungen. Beispiel: Hase-Musik einer Klasse der Gesamtschule Schinkel, die damit im 2. Agenda-Wettbewerb 2005 den Hase-Sonderpreis gewonnen hat.

Besonders geeignet für solche lokalen Themen ist natürlich ein handlungsorientierter Projektunterricht, der auch die Interessen der Schüler stark berücksichtigen muss und kann (s. auch Partizipationsanspruch der Agenda 21!), wenn er erfolgreich sein will. Auch schulische AGs sind geeignete Formen, sich mit einem Stadtfluss als Umweltthema zu beschäftigen.

Soweit Aspekte der Hase Thema des Fachunterrichts sein sollen, stellt sich folgende Frage, ob dies nur als zusätzlicher Inhalt möglich ist, was häufig ein Grund für die Nichtbeschäftigung ist. Inwieweit ist das Thema Hase also im Rahmen des fachlichen Lehrplans möglich, als Beispiel eines ohnehin vorgesehenen oder vorgeschriebenen Inhaltes? Dies ist in der Tendenz um so mehr möglich, als die traditionellen Richtlinien und Lehrpläne schulpolitisch durch andere Vorgaben (Bildungsstandards, Kerncurricula, offiziellen Qualitätskriterien für Schulen) ersetzt werden, die dem Lehrer mehr Freiheit bieten (sollen)! Seit einigen Jahren läuft der Übergang, der angesichts des Bildungsföderalismus und des gegliederten Schulsystems allerdings sehr unübersichtlich ist, vor allem für nichtschulische Akteure.

Auf jeden Fall lassen sich durch die vielfältige und kontinuierliche Beschäftigung mit der Hase alle wichtigen Schlüsselkompetenzen vermitteln, die in der aktuellen Bildungsdiskussion und in der Diskussion über BNE eine Rolle spielen. Voraussetzung ist jedoch, dass sich die jeweilige Schule als Ganze eines solchen Themas annimmt und im Schulcurriculum und Schulleben die langfristige und systematische Realisierung eines solches Projektes garantiert. Umwelt bzw. Nachhaltige Entwicklung muss also zum festen Bestandteil des eigenen Schulprogramms und –profils werden, was am Beispiel Hase (exemplarisch) und parallel natürlich auch mit anderen für die Nachhaltigkeit relevanten Themen realisiert werden kann. Zu einer Etablierung eines solchen Programms gehören auch organisatorische Maßnahmen und flexiblere Formen des Schulunterrichts, um insbesondere Projekte und Exkursionen ohne allzu großen und abschreckenden Aufwand zu ermöglichen. Dies ist sicherlich keine leichte Aufgabe, zumal es sich ja um ein fächerübergreifendes Anliegen handelt. Bei der Verankerung ins Schulcurriculum ist Hilfe von außen nur bedingt möglich, am ehesten wären dazu pädagogische Universitätsinstitute oder Fortbildungseinrichtungen als Berater in der Lage.

Auch sehr engagierte einzelne LehrerInnen sind – gemessen an dem großen pädagogischen Potenzial und den sehr vielfältigen und komplexen Anforderungen – überfordert, eine kontinuierliche Umweltbildungspraxis zu realisieren. Deshalb muss man bei nüchterner Betrachtung konstatieren, dass auch sehr gute Projekte, so unverzichtbar sie immer auch sind, ‚objektiv’ eine geringe, weil singuläre Bedeutung für wenige Schüler haben. Eine Wirkung auf die gesamte Schülerschaft ist notwendig gering. In der Öffentlichkeit verpufft nach einem vielleicht erscheinenden Zeitungsartikel die Wirkung in der Regel schnell! Insgesamt ist es deshalb unrealistisch, eine direkte und kurzfristige positive Wirkung einer einzelnen schulischen Beschäftigung mit einem Stadtfluss auf die kommunalpolitische Debatte oder Neugestaltungspraxis zu erwarten. Dies ist nur in einem lokalen/regionalen Netzwerk und mit externer Unterstützung denkbar und unter der Voraussetzung, dass Schulen über ein entsprechendes Programm eine kontinuierliche Praxis zu dem Thema der örtlichen Fließgewässer gewährleisten.

Natürlich ist es denkbar und wünschenswert, wenn auch in anderen Bildungsbereichen (außerschulische Kinder- und Jugendarbeit, Erwachsenenbildung usw.) das jeweilige Fließgewässer thematisiert wird, dennoch spielt hinsichtlich seiner möglichen gesellschaftlichen Wirkung die Schule die entscheidende Rolle, auch wenn sie hauptsächlich langfristig wirkt.

Wie die Erfahrungen des Osnabrücker Netzwerkes zeigen, muss ein solches Netzwerk jedoch ‚eingespielt’ sein, alle Partner müssen ihre Rolle erfüllen. Allein von außen ist schulische Praxis – hier zum Thema Hase – nicht zu gewährleisten. Eine wichtige organisatorische Rolle spielt eine Koordinierungsstelle des Netzwerkes, die schulübergreifende Initiativen startet und zum Beispiel auch regelmäßig Lehrerfortbildungsveranstaltungen organisiert. Daran sind in der Regel auch externe Kooperationspartner beteiligt sind, Lehrer stellen gelegentlich ihre Projekte vor. So ist es jedenfalls in Osnabrück.

Eine weitere wichtige Dienstleistung stellen die bereits erwähnten Webseiten dar, in der neben Praxishilfen auch gute Praxisbeispiele aus dem Netzwerk als Anregung und Vorbild dokumentiert werden. Es ist allerdings oft schwierig, von den schulischen Projekten die notwendigen Unterlagen zu bekommen. Die technische Möglichkeit, die Dokumentation auf der Webseite eigenständig vorzunehmen, wird leider fast nie wahrgenommen. Die auf der Webseite des Vereins angebotenen Unterrichts- und Projektideen werden zwar relativ häufig heruntergeladen, es gibt jedoch wenig Rückmeldung von den unbekannten Nutzern.

Insgesamt kann man kritisch sagen, dass das Potenzial des schulischen Hase-Netzwerkes trotz relativ günstiger Rahmenbedingungen bei weitem noch nicht ausgeschöpft wird. Das größte Entwicklungshemmnis stellt die derzeitige niedersächsische Schulpolitik dar: Insbesondere bremst der ausgeprägte Bürokratismus, das Festhalten an überkommen Formen und Strukturen des schulischen Unterrichts, die Angst vor den neu eingeführten ‚Schulinspektionen’ oder die Zentralisierung des Abiturs viel Engagement von LehrerInnen aus. Deshalb ist die verbindliche und kontinuierliche Beschäftigung mit der Hase und ihre Verankerung im Schulcurriculum schwieriger denn je. Dazu kommt ohnehin schon, dass die Möglichkeiten für Formen einer praxisbezogenen Lehrerfortbildung, die für Umweltbildungsthemen angemessen sind, schon vor Jahren radikal beschnitten wurden. Obwohl die Kooperation mit externen Partnern als Qualitätsmerkmal bei den Schulinspektionen erwartet wird, werden diese Partner oder sogar schulbezogene Netzwerke nicht oder zu wenig unterstützt. Diese sind ihrerseits unter ihren unsicheren Arbeitsbedingungen meistens überfordert, sich auf die neuen schulischen Bedingungen konkret genug einzulassen.

Seit Ende 2007 wurde das Netzwerk methodisch mit dem bekannten Konzept von Bachpatenschaften ergänzt, das den Vorteil einer verbindliche(re)n Handlungsorientierung hat. Als zusätzlichen Motivationsanreiz bekommen die Schulen das Umweltmobil des Umweltbildungszentrums einmal im Jahr für die Gewässeruntersuchungen kostenlos zur Verfügung gestellt. Bisher haben insgesamt über 10 Schulen (Gymnasien, Grundschule, Förderschule, Berufsschule) und zwei Vereine einen Patenschaftsvertrag zu einem genau definierten Abschnitt der Hase oder eines Nebenbaches mit der Stadt abgeschlossen. Durch eine Verknüpfung mit dem Flussnetzwerk NRW und dessen Webseite können die von den Schulen erhobenen Daten online erfasst und dadurch anderen Interessenten zugänglich gemacht werden. Perspektivisch soll das Konzept der Patenschaften über die klassischen Gewässeruntersuchungen hinaus erweitert werden – Kreativität und Engagement sind gefragt.

3. Thesen

Zum Abschluss des ersten Teils meines Vortrags/Beitrags möchte ich einige allgemeinere Thesen formulieren, die sich z.T. aus dem bisher Gesagten oder aus anderen eigenen veröffentlichten Texten ergeben (These 1-3), oder zu denen ich nur kurze Begründungshinweise gebe (These 4-7).

These 1: Urbane Fließgewässer sind ein wichtiges und sehr geeignetes Thema einer kompetenz- und handlungsorientierten BNE.

These 2: Das Thema kann nachhaltigkeitspädagogisch erfolgreich, d.h. regional wirksam nur in einem lokalen/regionalen Akteursnetzwerk realisiert werden!

Die Chance der Netzwerkbildung spielt auch bei den innovativen Bildungsnetzwerken eine Rolle, von denen in den letzten Jahren viele entstanden sind.

These 3: Die derzeitige konkrete (nds.) Schul- und Bildungspolitik ist für BNE sehr kontra- produktiv!

Diese These dürfte trotz oder wegen des Bildungsföderalismus für die meisten Bundesländer gelten! Im scheinbaren Widerspruch dazu stehen positive Verlautbarungen und auch Beschlüsse z.B. der Kultusministerkonferenz, aber auch Programme zu BNE der Bund-Länder-Kommission (BLK): Die fast bundesweiten schulischen Programme „21“ und Transfer-21 gingen nach acht Jahren Laufzeit im Sommer 2008 zu Ende. Es wurden zwar 10% der deutschen Schulen erreicht, aber keine dauerhaften Strukturen geschaffen!

These 4: Ein Netzwerk ist kein Top-down-Ansatz, bei dem ein einziger Akteur die Arbeitsweise und Ziele bestimmt!

Dieses grundlegende Merkmal eines Netzwerks hat Implikationen für seine Zielsetzungen und Erfolgskriterien: Weder kann zum Beispiel ein kommunales Flussprojekt die pädagogische Arbeit bestimmen. Auch der wissenschaftliche Diskurs über BNE mit seinen inhaltlichen Dimensionen und anspruchsvollen Kompetenzzielen kann die schulische Praxis nicht bestimmen, sondern nur theoretische Orientierung bieten. Aus Erfahrungen, aber auch aus der wissenschaftlichen Literatur, die sich mit Akteursnetzwerken beschäftigt, kann man die beiden folgenden allgemeinen Thesen ableiten, die auch für das Thema der Flüsse insbesondere im urbanen Raum Konsequenzen haben, mit denen es in der Praxis sensibel umzugehen gilt:

These 5: Eine Schwierigkeit von Netzwerken sind die verschiedenen Handlungslogiken und bedingungen von Schule, NGOs, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Medien und die gegenseitige Unkenntnis davon.

These 6: Netzwerke können nur als lernende Organisation erfolgreich sein, in denen alle Beteiligten offen für Dialog und eigenes Lernen sind.

Natürlich hat die Dialogbereitschaft oft dann ein Ende, wenn es um sehr unterschiedliche Interessen geht. Pädagogische Arbeit sollte sich wegen des Instrumentalisierungsverbotes bei sachlichen Differenzen eher neutral verhalten.

These 7: Das Thema urbane Fließgewässer bietet auch gute Chancen für interkulturelle Bildung.

Diese These lässt sich beim Thema Gewässer u.U. damit begründen, dass das Verständnis von Wasser und der Umgang damit sehr kulturabhängig ist. Gerade in Städten existiert in der Regel eine große kulturelle Vielfalt. In Osnabrück haben wir diesen wichtigen Aspekt bisher noch nicht pädagogisch systematisch angepackt, lediglich im Rahmen unserer internationalen Kooperationsarbeit (s. 4.)

4. Überregionale Vernetzung: Bundesweites Projekt „Fließgewässer im urbanen Raum (FluR)“

Im zweiten Hauptteil meines Beitrages möchte ich nicht auf die verschiedenen Flussnetzwerke in Deutschland oder international eingehen, auch nicht auf die Netzwerke „Schulen für lebendige Flüsse“ (s. Becker 2006, 2008), sondern mich auf das in der Überschrift genannte junge Netzwerk konzentrieren. Im Hinblick auf das Osnabrücker Hase-Netzwerk möchte ich vorab lediglich Folgendes erwähnen:

  • Es existiert eine lockere und erweiterungsfähige Kooperation mit anderen Schulen und umweltpädagogische Einrichtungen an der Hase außerhalb der Stadt Osnabrück.
  • Eine bereits erwähnte Verknüpfung existiert mit dem Flussnetzwerk NRW.
  • Das schulische Hase-Netzwerk findet sich nun auch auf der Webseite der Deutschen Umwelthilfe, das die meisten pädagogischen Flussnetzwerke organisiert: „Schulen für eine lebendige …“
  • Seit 2006 gibt es Wasserprojekte mit polnischen Schulen.
  • Eine intensivere Kooperation gibt es mit der Baikalregion (Ostsibirien Russland), dem dortigen Baikalinformationszentrum GRAN, das dort – zusammen mit der Universität auch ein Netzwerk von umweltorientierten Schulen betreut.
  • Noch nicht realisiert ist die Kooperation mit Schulen und Organisationen aus Osnabrücker Partnerstädten.

Auch das im Folgenden vorzustellende Netzwerk FluR hängt direkt mit Osnabrück zusammen, ging es doch aus dem Osnabrücker Projekt „Lebendige Hase“ hervor.

Die Erfahrungen dieses DBU-Projektes sollten bundesweit verbreitet werden. Deshalb fand im Oktober 2006 als Abschluss eine erste bundesweite Netzwerktagung im Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) der DBU in Osnabrück statt, bei der Experten verschiedener Fachrichtungen und Akteure zu diesem Thema zusammenkamen. Wegen des erfolgreichen Verlaufs wurde am Ende eine Initiative für ein bundesweites Netzwerk gegründet und ein fachlich repräsentatives Aufbauteam gewählt, in dem ich als einziger pädagogischer Vertreter mitarbeitete. Der Netzwerkaufbau wurde von April 2007 bis April 2008 von der DBU wieder unterstützt. Projektträger war die Kommunale Umwelt-AktioN (U.A.N.) in Hannover, in deren Räumen auch die Geschäftsstelle von FluR ist. Bei der sehr intensiven und konstruktiven Zusammenarbeit des bewusst sehr heterogen zusammengesetzten Teams zeigten sich zwar gelegentlich Kommunikations- und Verständigungsprobleme, die für eine solche Konstruktion zu erwarten sind und die mit Dialogfähigkeit und Lernbereitschaft konstruktiv und innovativ bearbeitet werden. Aus meiner Perspektive kam die pädagogische Seite etwas zu kurz, sie wurde bei der Recherche nach Flussprojekten kaum berücksichtigt; deshalb soll sie in Zukunft stärker bearbeitet werden.

Zu den wichtigsten Ergebnissen der Aufbauarbeit gehörte die „Tiefenrecherche“ nach Flussprojekten, die inzwischen in der Online-Datenbank auf der Webseite des Netzwerkes einzusehen ist. Es handelt sich derzeit um ausführlich dokumentierte Projekte, die wie folgt verschlagwortet sind (http://www.netzwerk-flur.de/content,68.html - Zugriff 18.10.2008):
- Gewässerökologie

  • Gewässergüte (5 Projekte)
  • Gewässerstruktur (24 Projekte)
  • Durchgängigkeit (42 Projekte)
  • Freilegung (10 Projekte)


- Stadtentwicklung

  • Stadtgestaltung (40 Projekte)
  • Stadtmarketing (11 Projekte)
  • Stadtgeschichte (5 Projekte)


- Gewässernutzung

  • Erholung/Freizeit/Sport (29 Projekte)


- Wasserwirtschaft

  • Wasserkraft (4 Projekte)
  • Hochwasserschutz (18 Projekte)
  • Einleitungen/Entnahmen (3 Projekte)


- Projektumsetzung

  • Partizipation/Medienarbeit (18 Projekte)
  • Umweltbildung (9 Projekte)

Zu den grundsätzlichen Zielsetzungen dieses Netzwerkes gehören:

  • bundesweite Vernetzung und Unterstützung von bürgerschaftlichen Initiativen, Kommunen, Fachleuten und Institutionen,
  • Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit für die Revitalisierung und Pflege städtischer Fließgewässer,
  • Bewusstseinsbildung für urbane Fließgewässer bei Politik, Öffentlichkeit, und Verwaltung,
  • Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung, z. B. durch kooperative Projekte mit Umweltbildungsorganisationen,
  • Projekte zum Thema „Umweltpädagogik/BNE an und zu urbanen Gewässern“ zur Aufbereitung von Erfahrungen und positiven Beispielen sowie Weiterentwicklung und Verbreitung!
  • Erfahrungs- und Wissensaustausch: Tagungen/Veranstaltungen, Expertengespräche, Workshops, Bildungsveranstaltungen,
  • Entwicklung einer Kooperationspartnerbörse und von unbürokratischen Organisationsmodellen für interdisziplinäre Zusammenarbeit,
  • Ausbau der Projekt-Datenbank (Beispielsammlung/Steckbriefe),
  • Formulierung von Handreichungen, Zusammenstellung einer praxisnahen „Werkzeugkiste“ mit Hinweisen auf vorhandene gewässerrelevante Methoden, Richtlinien, Leitfäden, Planungsmaterialien und Instrumente,
  • Aufbau einer Experten-Datenbank,
  • Beratung und Vermittlung,
  • Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit,
  • Initiierung und Umsetzung von Projekten,
  • Zusammenstellung von Fördermöglichkeiten (Förderfibel) für Akteure,
  • Ausbau des Netzwerks, Werbung von Mitgliedern und Förderern.
  • Das Netzwerk will den Wissenstransfer fördern und Aktivitäten im Bereich der urbanen Gewässer fördern, es will jedoch keine Konkurrenz zu etablierten Verbänden und Institutionen darstellen, sondern deren Arbeiten ergänzen.

Am Ende des Aufbaujahres wurde der gleichnamige „Verein Fließgewässer im urbanen Raum e.V.“ (FluR e.V.)gegründet. Er

  • dient als Kontaktstelle zwischen verschiedenen Nutzern und fachlichen Partnern,
  • fördert den Informations- und Erfahrungsaustausch,
  • ist Sprachrohr des Netzwerks,
  • ist Träger oder Partner bei Forschungs- und Umsetzungsprojekten,
  • pflegt dazu eine Webseite, auf der bereits die Projektdatenbank online eingesehen werden kann.

Am Ende des Aufbaujahres fand Ende Februar 2008 außerdem eine 2. Netzwerktagung im ZUK in Osnabrück statt, bei der die pädagogische Seite von vornherein stärker berücksichtigt wurde. Mehr als 130 Teilnehmer aus Kommunen, Vereinen, Wissenschaft und Praxis unterschiedlicher Fachrichtungen diskutierten u.a. den Umgang mit der EG-Wasserrahmenrichtlinie, klimatisch bedingten Hochwässern und der Flussgestaltung in der Stadt sowie über pädagogische Handlungsmöglichkeiten. Die wiederum vorhandene positive Resonanz zeigte die wachsende Bedeutung des Themas Fließgewässer im urbanen Raum und die Notwendigkeit für ein solches Netzwerk.

Als wichtiger weiterer Schritt wurde eine Evaluation vorhandener Flussprojekte ins Auge gefasst. Ziel ist die Identifizierung von Erfolgsfaktoren, aber auch Hemmnissen. Die Auswertung soll zu konkreten Handlungsempfehlungen und Checklisten für Fließgewässerprojekte führen – insbesondere für den urbanen Bereich – und damit einen Beitrag zur erfolgreichen Entwicklung und Gestaltung zukünftiger Vorhaben leisten. Die Rolle der formellen und informellen Umweltbildung bzw. Bildung für nachhaltige Entwicklung im Kontext urbaner Fließgewässer bildet dabei einen Schwerpunkt. Im Oktober 2008 wurde dieses von der DBU wiederum geförderte Vorhaben von der Kommunalen Umwelt-AktioN (U.A.N.) gestartet. Das Netzwerk FluR ist Kooperationspartner dieses Projektes, die pädagogische Seite wird vom Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e.V. übernommen.

Für den pädagogischen Bereich muss in einem ersten Schritt eine Recherche nach pädagogischen Fließgewässer-Projekten durchgeführt werden. Auch hier geht es letztlich um die Identifizierung von Erfolgsbedingungen und Hemmnissen. Langfristig gilt als übergeordnetes Ziel, die pädagogischen Projekte untereinander und mit wasserwirtschaftlichen/stadtplanerischen Tätigkeiten über Netzwerke zu verbinden, um so BNE im Themenfeld „urbane Fließgewässer“ fest zu etablieren, dauerhafte Strukturen zu schaffen und das Spektrum der Netzwerkknoten und Akteure von FluR zu verbreitern. Damit sollen – wie gesagt - pädagogische Fließgewässerprojekte nicht auf ein bloßes Instrument von nachhaltigem Fließgewässermanagement reduziert werden, aber die Existenz von beiden Handlungsfeldern ist für beide Seiten förderlich.

Wer kennt urbane Fließgewässerprojekte? Ein Aufruf

Wer pädagogische Fließgewässerprojekte im städtischen Raum oder anderen Siedlungsräumen kennt oder selbst mitwirkt möge dies dem Autor so bald wie möglich melden. Wir werden uns dann mit Ihnen in Verbindung setzen. Interessenten für Flussprojekte mögen sich mit der FluR-Geschäftsstelle in Verbindung setzen (s. Homepage).

5. Diskussion

Bei der ausführlichen Diskussion in den beiden Workshops ging es vor allem um folgendes:

  • Beispiele und Erfahrungen der Teilnehmer des Workshops,
  • Diskussion zur Frage wie und mit wem urbane Flussnetzwerke aufgebaut werden können – und welche Rolle Umwelt(bildungs)einrichtungen dabei spielen,
  • Diskussion der allgemeine Erfolgbedingungen und Hindernisse für urbane Flussnetzwerke.

Es wurden einige Beispiele vorgestellt, insbesondere zwei wegen ihrer interkulturellen Orientierung interessante Gewässerprojekte aus Bayern: „Leben mit der Singold. Ein interkulturelles Umweltbildungsprojekt“ (Ökologische Akademie Dietramszell/Linden) und „Blaues Quartett – ein interkultureller Wasserführer“ in 6 verschiedenen Sprachen (Umweltstation Augsburg und NANU e.V.) . Die Diskussion meines Vortrages und die Erfahrungsberichte von Teilnehmern bei der Tagung bestätigte sowohl Bedeutung als auch Schwierigkeiten einer notwendigen und umfassenden Vernetzung. Dazu passte, dass - ähnlich wie die Akteure in (Fluss)Netzwerken - die Teilnehmer der beiden Workshops zu diesem Thema fachlich und von ihrem jeweiligen Erfahrungshintergrund sehr heterogen zusammengesetzt waren. Es wurden insbesondere folgende Aspekte herausgearbeitet:

  • Als schwierig wurde es von mehreren Workshop-TeilnehmerInnen angesehen, egoistische Partialinteressen in einem Netzwerk zu überwinden und letztlich doch gewinnbringend für alle in den Prozess einzubeziehen.
  • Eine weitere Frage war, wie man Dauerhaftigkeit der Netzwerkarbeit gewährleistet („wie macht man aus einer Eintagsfliege einen Dauerläufer?“)
  • Die große Bedeutung des persönlichen Engagements wurde von fast allen betont.
  • Mehrfach wurde die Einschätzung vorgetragen, dass viele Aktivitäten existenziell vom Engagement einzelner Personen abhängig seien (Beispiel: „Wenn ein engagierter Chemielehrer in Pension geht, dann bricht alles zusammen!“)
  • Als wichtig wurde angesehen, am Anfang eine ‚Akteursanalyse’ vorzunehmen („Wer wird für eine Startphase gebraucht, wer wäre potenziell interessiert?“)
  • Positive ‚Leuchtturmprojekte’ wurde als sehr nützlich eingeschätzt.
  • Jeder Workshop sollte am Ende eine Kernthese formulieren. Der erste Workshop kam zu folgendem Ergebnis:
  • „Überzeugungstäter müssen sich zu Flussallianzen vernetzen“.
  • Der zweite Workshop schloss sich dieser These an und ergänzte: „Dazu braucht es: Bereitschaft zum Dialog, Unterschiedliche Kompetenzen, Finanzielle Mittel und Personalressourcen!“

 

6. Infos zum Vortrag /Workshop:
6.1. Webseiten:

AK Umweltbildung - Homepage: www.umweltbildung-os.de

Verein für Ökologie und Umweltbildung – Homepage: www.umweltbildung-os.de/Verein
Lebendige Hase – Homepage www.lebendige-hase.de

Hase neu entdecken – Homepage: www.umweltbildung-os.de/Hase

Flussnetzwerk NRW – Homepage: www.flussnetzwerke.nrw.de/36/index.php (neu)
Lebendige Flüsse (DUH): Hase www.duh.de/1864.html

Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum – Homepage: www.netzwerk-flur.de

6.2. Aktuelle Artikel im BNE-Journal 4: Wasser und Bildung (Sept. 2008):

www.bne-portal.de/coremedia/generator/pm/de/Startseite.html (Beiträge und Good Practice):

Becker, Gerhard (2008): Das pädagogische Potenzial von Stadtgewässern im Kontext einer Bildung für nachhaltige Entwicklung

Betzler-Schellin, Wiltrud (2008): Netzwerk Osnabrücker Schulen für eine Lebendige Hase

Apelt, Britta/Terhalle, Günter (2008): Netzwerk Fließgewässer im urbanen Raum (FluR)
6.3 Sonstige Literatur

Bartelheim, Sigrid / Kuczia, Dorota: Die Hase neue entdecken; Selbstverlag Osnabrück 1999

Becker, Gerhard: Hase-Bildung: Perspektiven des pädagogischen Umgangs mit einem Stadtfluss (1999). In: Bartelheim, Sigrid / Kuczia, Dorota: Die Hase neu entdecken. Osnabrück 1999, S. 93-100

Becker, Gerhard (2005): Politische Bildung für Nachhaltigkeit vor Ort: Das Osnabrücker Netzwerk "Schulen für eine lebendige Hase", in: Politik unterrichten 2/ 2005, S. 43-47

Becker, Gerhard (2006): Urbane Flüsse als Thema von Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Das Beispiel des Osnabrücker Netzwerkes „Schulen für eine lebendige Hase“. In: Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (Hrsg., 2006): Stand und Entwicklung der Gewässerpädagogik. – NNA-Berichte 19. Jg., H. 2, Schneverdingen, S. 34-43

Rettig, Carolin (2008): Bestandsaufnahme und Evaluation außerschulischer Gewässerpädagogik - eine explorative Studie, Freiburg

Rheingans-Heintze, Anke (2003): Lokale Akteursnetzwerke als lernende Organisationen. Analyse am Beispiel von „Lokale Agenda 21“-Prozessen, München 2004

Schubert, Herbert u.a. (2001): Regionale Akteursnetzwerke. Analysen zur Bedeutung der Vernetzung am Beispiel der Region Hannover, Opladen

Solzbacher, Claudia / Minderop, Dorothea (Hrsg.) (2007): Bildungsnetzwerke und Regionale Bildungslandschaften. Ziel und Konzepte, Aufgaben und Prozesse, München / Unterschließheim

Strahler, Bernd; Tiemeyer, Ernst; Wilbers Karl (2004): Bildungsnetzwerke in der Praxis. Erfolgsfaktoren, Konzepte, Lösungen aus dem BLK Modellversuch ANUBA (s. auch www.anuba-online.de)

Vergin, Ute: Mein Name ist Hase – und ich bin ein Problem; Selbstverlag Osnabrück 1997
Dr. Gerhard Becker
UmweltBildung für nachhaltige Entwicklung
c/o Universität Osnabrück
Kolpingstr. 7, 49069 Osnabrück
Email:  gbecker(at)uni-osnabrueck.de

 http://www.umweltbildung.uni-osnabrueck.de/becker Verein für Ökologie und Umweltbildung Osnabrück e.V.
AK Umweltbildung der LA 21 Osnabrück

Uhlandstr. 13, 49078 Osnabrück

Den Vortrag können Sie als pdf-Dokument hier öffnen und herunterladen:

Bericht_Becker.pdf

170 K

Zum Verlauf des Diskussionsprozesses im Workshop gibt es auch eine Zusammenfassung von Nick Geiler:

Bericht_Flussallianzen_von_Geiler.pdf

26 K

 

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